Albaniens Golgatha
Albaniens Golgatha
englisch - english
Anklageakten gegen die Vernichter des Albanervolkes
Gesammelt und herausgegeben
von Leo Freundlich
WIEN 1913, verlag der Buch- und Kunstdrukerei Josef Roller & Co.. III., Seidlgasse 8.
Am östlichen Ufer der Adria, kaum drei Tagesreisen von Wien, lebt ein
autochthones Volk, das seit Jahrhunderten gegen Feinde und Unterdrücker
aller Art für seine Freiheit und Unabhängigkeit kämpft: die Albaner: Durch
alle Kämpfe und alle historischen Umwälzungen hindurch hat dieses Volk seine
Ursprünglichkeit bewahrt; weder die Völkerwanderung noch die Kämpfe mit
Serben, Türken und anderen Eroberern und Unterdrückern vermochten zu
verhindern, daß die Albaner in Rasse und Sprache, in Brauch und Sitte ihre
Eigenart rein und unverfälscht sich erhalten haben.
Die Geschichte dieser Nation ist eine ununterbrochene Kette blutigster
Kämpfe gegen gewalttätige Unterdrücker. Aber selbst die blutigsten Greuel
waren nicht imstande, diese kräftige Rasse auszurotten. Und obgleich ihre
Unterdrücker in Albanien jede Möglichkeit einer Kulturentwicklung im Keim
erstickten, hat sich das Geistesleben der Albaner kräftig entwickelt. Dieses
Volk gab dem Türkenreich die hervorragendsten Generäle und Staatsmänner, die
besten Richter des osmanischen Reiches sind Albaner, wie die
hervorragendsten Werke der türkischen Literatur von Albanern geschaffen
wurden. Fast alle Kaufleute in Montenegro entstammen dieser Nation, ebenso
die fähigsten Handelsleute in vielen größeren Städten Rumäniens. In Italien
spielen die Albaner auf allen Gebieten eine bedeutende Rolle; u. a. war
Crispi einer der ihren. Griechenlands tüchtigsten Soldaten sind albanischen
Stammes.
In der großen Umwälzung, die der Balkankrieg hervorgerufen hat, soll nun
endlich der uralte Traum der Freiheit und Unabhängigkeit dieses Volkes
Wirklichkeit werden: die europäischen Großmächte haben beschlossen, Albanien
die staatliche Autonomie zu geben.
Aber die serbische Eroberungssucht hat eine Methode gefunden, diesen schönen
Traum eines tapferen und freiheitsliebenden Volkes kurz vor seiner
Verwirklichung zu zerstören. Mit Mord und Brand sind die serbischen Truppen
in Albanien eingefallen. Kann Albanien nicht erobert, so sollen die Albaner
ausgerottet werden - das ist die Lösung!
Am 18. Oktober 1912 erließ König Peter von Serbien sein Manifest "An das
serbische Volk", in dem er u. a. sagt:
"Die türkischen Regierungen haben auch gegenüber ihren Staatsbürgern
Unverständnis für ihre Pflichten bewiesen und waren für alle Beschwerden und
Vorstellungen taub. Es kam so weit, daß mit der Lage in der europäischen
Türkei niemand mehr zufrieden war. Sie wurde den Serben, den Griechen und
auch den Albanern unerträglich."
"Ich habe deshalb in Gottes Namen meiner tapferen Armee befohlen, in den
heiligen Kampf für die Freiheit unserer Brüder und für ein besseres Leben zu
ziehen."
"Meine Armee wird in Altserbien nebst den christlichen auch mohammedanische
Serben antreffen, die uns ebenso teuer sind, und neben ihnen auch
christliche und mohammedanische Albaner, mit denen unser Volk seit
dreizehnhundert Jahren stets Freud und Leid teilt. Wir bringen ihnen allen
Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit."
Seit diesem feierlichen Manifest ist noch kein halbes Jahr verflossen, und
wie haben die Serben das Wort ihres Königs eingelöst?
Tausende und Abertausende ermordete und zu Tode gequälte Männer, Frauen,
Greise und Kinder, verbrannte und geplünderte Dörfer, geschändete Frauen und
Mädchen, ein verwüstetes, geplündertes, im Blute schwimmendes und
geschändetes Land geben Antwort auf diese Frage.
Nicht als Befreier, als Mörder der Albaner sind die Serben nach Albanien
gekommen. Auf der Londoner Botschafterunion wurde die Anregung gegeben, die
Grenzen Albaniens nach einer nationalen oder konfessionellen Statistik zu
bestimmen, die eine Kommission an Ort und Stelle zu erheben hätte. Die
Serben haben sich beeilt, diese Statistik mit Maschinengewehren, mit Flinten
und Bajonetten zu präparieren. Sie haben Greuel verübt, die unbeschreiblich
sind. Die Empörung und das Entsetzen über diese Missetaten werden
übertroffen von dem Gefühl tiefer Bedrückung, daß solche schauderhafte
Untaten in Europa, unfern großer Kulturzentren, im zwanzigsten Jahrhundert
möglich sind. Und noch schwerer wird dieses Gefühl durch die Tatsache, daß,
trotzdem Berichterstatter aller Nationen seit Monaten von diesem
entsetzlichen Taten erzählen, trotzdem Pierre Loti seine flammende Anklage
in die Welt geworfen hat, nichts geschieht, um diesem entsetzlichen Morden
ein Ende zu bereiten.
Ein tapferes, charaktervolles Volk wird vor aller Welt gekreuzigt, und
Europa, das christliche, das zivilisierte Europa, schweigt dazu!
Zehntausende wehrlose Menschen werden niedergemetzelt, Frauen werden
geschändet, Greise und Kinder erwürgt, hunderte Dörfer niedergebrannt,
Priester abgeschlachtet.
Und Europa schweigt!
Serbien und Montenegro sind ausgezogen, um fremdes Land zu erobern. Aber auf
dem Land sitzt ein freiheitsliebendes, tapferes Volk, dessen Nacken trotz
jahrhundertelanger Knechtschaft sich noch nicht gewöhnt hat, fremdes Joch zu
tragen. So ist ganz offen die Lösung ausgegeben worden: Die Albaner müssen
ausgerottet werden!
Eine verwilderte, entmenschte Soldateska hat diese Lösung in der
fürchterlichsten Weise zur Wahrheit gemacht.
Ungezählte Dörfer werden dem Erdboden gleichgemacht, zahllose Menschen in
tierischer Grausamkeit niedergemetzelt. Wo der Fleiß von Generationen den
armen Albanern eine bescheidenen Heimat schuf, liegen rauchende
Trümmerhaufen; ein ganzes Volk blutet am Kreuz - und Europa schweigt!
Die Aufgabe dieser Schrift ist, das Gewissen der europäischen Öffentlichkeit
aufzurütteln. Die Berichte, die hier gesammelt sind, sind nur ein Bruchteil
des vorhandenen Materials. Mehr als das, was sie enthalten, ist den
europäischen Regierungen durch offizielle Konsularberichte, durch
Publikationen der großen Presse bekannt.
Bisher haben die Regierungen geschwiegen.
Aber nun ist jedes weitere Schweigen gleichbedeutend mit Mitschuld.
Die Mächte müssen den tobenden Barbaren ein kategorisches "Hands off!"
zurufen. Dem grausamen Vertilgungszug in Albanien muß schleunigst ein Ende
bereitet werden. Und eine internationale Untersuchungskommission muß
eingesetzt werden, um die furchtbaren Anklagen gegen die serbische Regierung
zu untersuchen.
Vor allem aber müssen die serbisch-montenegrinischen Invasionstruppen
unverzüglich die albanischen Gebiete verlassen und die griechische Blockade,
die Albanien jede Lebensmittelzufuhr abschneidet, muß aufgehoben werden.
Im Namen der Menschlichkeit, im Namen der Zivilisation, im Namen des
unglücklichen albanischen Volkes rufe ich die Regierungen der Großmächte,
rufe ich die gesamte europäische Öffentlichkeit an.
An die Öffentlichkeit Englands wende ich mich, an jene Nation, die zur Zeit
der armenischen Greuel so mannhaft ihre Stimme für die Unterdrückten erhoben
hat.
An die Publizität Frankreichs richte ich meinen Appell, Frankreichs, das so
oft bewiesen hat, daß es Humanität und Menschenrechte zu wahren weiß.
Ein unglückliches Volk, das ein furchtbares Schicksal zu tragen hat, ruft
von seinem Golgatha um Hilfe.
Wird Europa seinen Ruf hören?
Wien, am Ostersonntag 1913
Leo Freundlich.
Die Albanesen müssen ausgerottet werden!
In Verbindung mit der Nachricht, daß in Prizrend 300 albanesische Ljumesen,
die unbewaffnet angetroffen wurden, ohne Gerichtsverfahren erschossen worden
sind, schreibt die "Frankfurter Zeitung": In dem jetzigen Falle scheint
reguläres serbisches Militär das Blutbad angerichtet zu haben. Aber auch wo
man sonst die schlimmsten Metzeleien den irregulären Hilfstruppen überließ,
haben diese ohne allen Zweifel unter vollständiger Duldung und nach dem
Willen der serbischen Behörden gehandelt. Uns selbst gegenüber ist zu Beginn
des Krieges von verantwortlicher serbischer Stelle aus offen erklärt worden:
"Wir werden die Albanesen ausrotten." Nachdem allen europäischen Protesten
gegenüber diese systematische Ausrottungspolitik unverändert fortgesetzt
wird, scheint es uns Pflicht, die Absichten der Herren in Belgrad
rücksichtslos bloßzulegen. Die Herren werden entrüstet leugnen in der
Gewißheit, daß journalistischer Anstand uns hindert, Namen zu nennen. Aber
es versteht sich von selbst, daß wir eine solche Mitteilung nicht machen
würden, wenn wir nicht unbedingt an ihr festhalten könnten. Schließlich
sprechen hier die Tatsachen lauter, als die offenherzigsten Geständnisse es
tun könnten. Seitdem im vergangenen Herbst serbische Truppen die Grenze
überschritten und Gebiete besetzt haben, die von Albanern bewohnt sind, hat
ein Blutbad an das andere sich gereiht.
Ein Ausrottungskrieg.
Professor Schiemann schrieb in einem in der "Kreuzzeitung" veröffentlichten
Artikel: Ein außerordentlich betrübendes Bild geben allmählich, trotz der
strengen Zensur der verbündeten Balkanstaaten und trotz des Druckes, der auf
die Kriegskorrespondenten ausgeübt wird, die hierher gelangenden
Privatbriefe vom Kriegsschauplatze, in welchen die Kriegsführung der Serben
und Griechen geschildert wird. Die Serben, heißt es in dem Artikel, führen
einen Ausrottungskrieg gegen die albanesische Nation, die sie am liebsten
bis auf die Wurzel vernichten möchten.
"Daily Cronicle" meldet am 12. November 1912, es sei Tatsache, daß Tausende
von Arnauten von den Serben massakriert wurden. In der Nähe von Üsküb wurden
2000 und unweit Prizrend 5000 mohammedanische Arnauten niedergemetzelt.
Viele Dörfer sind von den Serben angezündet und die Bewohner abgeschlachtet
worden. Bei den Hausdurchsuchungen nach Waffen wurden Albanesen, auch wenn
man in deren Häusern keine Waffen vorfand, einfach getötet. Die Serben
erklärten ganz offen, die mohammedanischen Albaner müßten ausgerottet
werden, das sei das wirksamste Mittel zur Pazifizierung des Landes.
Der Kriegsberichterstatter des römischen "Mesaggero" meldet furchtbare
serbische Albanesengemetzel im Wilajet Kossowo. Infolge Widerstandes der
Albanesen wurden die Ortschaften Ferisovic, Negotin, Lipian Babus und andere
völlig zerstört, die Bewohner größtenteils niedergemacht. Ein katholischer
Erzprister erzählte, es sei drei Tage wütend um Ferisovic gekämpft worden,
nach der Eroberung habe der serbische Kommandant die Geflüchteten auffordern
lassen, ruhig zurückzukehren und die Waffen abzuliefern. Nachdem dies
geschehen, seien drei- oder vierhundert Personen niedergemacht worden. In
ganz Ferisovic sei nur ein halbes Dutzend muselmanischer Familien
übriggeblieben. Die ärmeren serbischen Familien haben sich schleunigst in
den Häusern der wohlhabenden Flüchtlinge eingenistet.
Die Pariser "Humanité" veröffentlicht einen offiziellen Bericht, der einem
Konsulat in Salonichi erstattet wurde. Der Konsulatsbericht schildert die
Tätigkeit der Serben in Albanien: Plünderungen, Zerstörungen, Massaker. Die
Zahl der albanischen Ortschaften, die von den Serben vollständig oder zum
Teil systematisch zerstört worden sind, beträgt einunddreißig. Die von
Kristo von Kumanovo, Ssiro Diliow von Üsküb, Alexandrowos von Ischtip und
andere geführten Banden plünderten alle Ortschaften der Distrikte Kratowo
und Kotschana, steckten sie in Brand und metzelten die ganze mohammedanische
Bevölkerung nieder. In Schujowo und Mescheli wurden alle Mohammedaner
massakriert, weitere zweihundert in Vétreni. In Bodganitza wurden sechzig
Türken in einer Moschee eingesperrt. Nachher ließ man sie heraustreten und
machte einen nach dem anderen nieder. Im Distrikt von Kawadar wurden von
insgesamt achtundneunzig Dörfern vierunddreißig zerstört. Die Türken, die
sich zum Teil durch ein an eine Bande gezahltes Lösegeld gerettet glaubten,
wurden von einer anderen Bande niedergemacht. In Drenewo wurden alle
Bewohner getötet. Zwischen diesem Orte und Palikura hat man eine Reihe
Gräber gefunden, aus denen Köpfe hervorragten. Sie gehören zu den
Gemarterten, die lebendig begraben worden sind!
Menschenjagden.
Der Kriegskorrespondent der dänischen Zeitung "Riget", Fritz Magnussen, ein
sonst serbenfreundlich gesinnter Mann, schildert folgendermaßen in einem
Telegramme, das er, um der strengen Zensur zu entgehen, mit einem besonderen
Kurier von Üsküb nach Semlin gesandt, das Vorgehen der Serben unter der
arnautischen Bevölkerung:
"Die serbische Kriegsführung in Mazedonien hat den Charakter einer
entsetzlichen Massakrierung der arnautischen Bevölkerung angenommen, das
Heer führt einen greulichen Ausrottungskrieg. Nach Aussage der Offiziere und
Soldaten sind zwischen Kumanovo und Üsküb 300 und bei Pristina 5000 Arnauten
gemordet worden. Die arnautischen Dörfer werden umringt und in Brand
gesteckt, worauf die Einwohner aus den Häusern gejagt und wie Ratten
niedergeschossen werden. Von dieser Menschenjagd erzählt das serbische
Militär ganz prahlerisch.
Die Verhältnisse in Üsküb sind ganz entsetzlich. Bei den Arnauten wird eine
rücksichtslose Hausuntersuchung angeordnet und wenn man etwas findet, was
Waffen gleicht, werden sie auf der Stelle niedergeschossen. Es ist höchst
unsicher auf den Straßen, da ständig aus den Häusern und in die Häuser
geschossen wird.
Gestern wurden 36 Arnauten von einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt und
auf der Stelle erschossen. Kein Tag vergeht, ohne daß grausame Morde an den
Arnauten verübt werden. Der Fluß weiter hinauf ist mit Leichen angefüllt.
Jeden Tag werden Jagdexpeditionen in die umliegenden Dörfer veranstaltet.
Gestern lud mich ein serbischer Offizier ein, an einer solchen Jagd
teilzunehmen, indem er zu gleicher Zeit damit prahlte, daß er am Tage vorher
eigenhändig neun Arnauten ermordet."
Von einer Persönlichkeit, deren Name und hervorragende Stellung für jedes
gewissenhafte Blatt als Gewähr für die Authentizität deren Mitteilungen
erscheinen müssen, erhält die "Reichspost" ein Dossier über die furchtbaren
Greuel, die von serbischen Banden und regulären Truppen in Albanien verübt
wurden.
In diesem Dossier befinden sich folgende Berichte:
Die Stadt Üsküb und ihre Umgebung sind Zeugen der Unmenschlichkeiten, die
gegen die Albanesen begangen wurden. Ich sah tagelang die Treibjagden, die
von serbischen bewaffneten Banden und auch regulären Truppen nach Albanesen
veranstaltet wurden; drei Tage sah ich nachts die Flammen der brennenden
Dörfer den Himmel röten; fünf Dörfer in der nächsten Nähe von Üsküb lagen
auch nach dieser Schreckenszeit in Ruinen, ihre Bevölkerung war fast
ausnahmslos getötet, obwohl in der Umgebung von Üsküb seitens der Albanesen
den einmarschierenden Serben kein bewaffneter Widerstand entgegengesetzt
worden war. Hinter der Festung von Üsküb befindet sich eine Felsenschlucht,
die heute noch mit Leichen von mehr als hundert Opfern dieser Verfolgung
gefüllt ist. Ebenso liegen in der Schlucht von Vistala Voda in der Nähe der
Stadt Üsküb 80 Albanesen. Kurz nach dem Einzuge besuchte ein zuverlässiger
Gewährsmann, mit dem ich selbst gesprochen habe, das Spital von Üsküb und
fand dort bei seinem ersten Besuche 132 albanesische Verwundete; am nächsten
Tage traf er deren nur mehr 80 und einige Tage später nur mehr 30. Die
Behandlung, die man den verwundeten Albanesen zuteil werden ließ, spottete
aller Menschlichkeit, man verweigerte ihnen Speise und Trank, so daß einige
der Verwundeten nach den Aussagen von Zeugen im Spitale an mangelhafte
Nahrung umgekommen sind. Viele Leichen, und wie die Bevölkerung behauptet,
auch die Körper der Verwundeten, in denen noch Laben war, warf man in den
Vardar, der täglich zwanzig bis dreißig Leichen eine Strecke unterhalb der
Stadt anschwemmte. In meinem Hotel in Üsküb wohnten mehrere serbische
Komitatschi, die von ihren Raub- und Menschenjagden ruhmredig öffentlich im
Hause erzählten, namentlich wenn ihnen der Wein die Zunge gelöst hatte.
Eines Abends erschossen sie auf offener Straße in Üsküb zwei Albanesen, die
unbewaffnet waren und harmlos ihres Weges gingen. Die beiden Mörder, die
kurz nach der Tat im Hotel erschienen und sich dort betranken, blieben von
den militärischen Behörden unbelästigt, obwohl jedermann in der Stadt sie
als Täter kannte. Eine blutige Szene ereignete sich an der Vardarbrücke in
der Stadt. Hier wurden drei Albanesen, die in die Stadt wollten, um Einkäufe
zu machen, von serbischen Soldaten angefallen und ohne weiteres, ohne
Gericht und Verhör, niedergemacht. Da das Anlagen von Gräbern den Soldaten
Mühe zu bereiten schien, weil die Erde gefroren ist, so warf man viele
Getötete einfach in Zisternen. Ihr Gewährsmann zählte 38 Zisternen in der
Gegend von Üsküb, die mit albanesischen Leichen angeschüttet sind. - Die
nationale Verfolgung verbindet sich mit Banditentum. Ich war selbst Zeuge,
wie ein serbischer Soldat, der zwei Uhren vorzeigte, und 150 türkische
Pfund, die er bereits erbeutet hatte, als er einen wohlgekleideten Albanesen
vorbeigehen sah, mit aufrichtigem Bedauern in Üsküb erklärte: "Schade, daß
so viel Leute hier sind! Ich gäbe ihm sonst eine Kugel!" Der Albanese gilt
als Freiwild, das kein Gesetz und keine Gerichtsbarkeit schützt. Nicht
wenige Ausschreitungen wurden allerdings auch im Rausche begangen und die
betrunkenen Banden von Soldaten, die umherzogen und in die Häuser
einbrachen, waren die furchtbarsten.
Da ich das Serbische vollständig beherrsche, hielten mich serbische
Offiziere und Soldaten häufig für einen Konnationalen und so erzählte mir
ein serbischer Soldat im Tone der Prahlerei, wie sie bei Kumanovo ein
albanesisches Dort stürmten: "Viele der Einwohner, die nicht mehr zu
flüchten vermochten, hatten sich auf den Dachböden ihrer Häuser versteckt.
Wir haben sie ausgeräuchert und wenn die Hütten brannten, kamen sie
schreiend und fluchend und um Gnade wimmernd wie die Maulwürfe aus ihren
Gängen. Wir haben sie an den Türen erschossen; nur bei den Kindern sparten
wir die Kugeln und taten es mit dem Bajonette. Wir haben das Dorf
ausgerottet, weil aus einem Hause, das die weiße Fahne hatte, geschossen
worden war." - Die militärischen Behörden haben diesen Blutbädern nirgends
gewehrt, viele Offiziere waren an den Atrozitäten beteiligt und es gab
keinen Serben, der nicht in der Überzeugung gehandelt hätte, bei diesen
Unmenschlichkeiten ein verdienstliches, von seinen Vorgesetzten gewolltes
Werk zu vollbringen.
In Kalkandele wurden 85 Albanesen, so wie man sie fand, ohne daß ein
bewaffneter Widerstand vorausgegangen wäre, in ihren Häusern niedergemacht
und die Ortschaft geplündert. Die Schandtaten, die an Frauen und Mädchen,
selbst an zwölfjährigen Kindern, begangen wurden, sind nicht zu schildern;
vielleicht war es der Gipfel der Scheußlichkeit, daß Soldaten mit
vorgehaltenen Revolvern Väter und Gatten zwangen, Zeuge zu sein und zu
leuchten, wenn die Rotten in den Häusern ihre Untaten an den Töchtern und
Frauen der Überfallenen begingen. In Gostivar rettete sich die Stadt
dadurch, daß sie sich von dem serbischen Kommandanten mit 200 türkischen
Pfunden loskaufte. Hier wurden nur 6 Albanesen erschossen.
In Ferisovic kam es zum Unterschied von den bisher genannten Orten zu einem
organisierten bewaffneten Widerstande der Albanesen. Es wurde hier 24
Stunden lang gekämpft; hier geschah es, daß eine albanesische Frau, der man
den Gatten getötet hatte, dessen Gewehr ergriff und fünf Serben niederschoß,
bevor sie selbst getötet wurde. Dem Gemetzel in Ferizovic fielen mehr als
1200 Albanesen zum Opfer. Die Stadt ist heute beinahe ohne Einwohnerschaft.
Es leben hier nur mehr drei albanesische Mohammedaner, die über 15 Jahre alt
sind. Auch in Gillane, wo die Albanesen sich nicht verteidigten, fiel fast
die ganze Bevölkerung durch Feuer und Schwert. Nur einige Flüchtlinge
blieben als Überlebende, und von den Greueln des Unterganges von Gillane
erzählen nur mehr die Ruinen.
In Pristina regierte die serbische Okkupation noch blutiger. Die Albanesen
schätzen die Zahl ihrer Toten hier auf 5000. Es muß zu Ehren der
Gerechtigkeit gesagt werden, daß hier tatsächlich ein schwerer Mißbrauch der
Parlamentärfahne vorkam; es eröffneten hier türkische Offiziere, nachdem die
weiße Fahne schon gezeigt worden war, auf die serbischen Truppen plötzlich
das Feuer, offenbar in der Absicht, die Waffenstillstandsverhandlungen der
Albanesen dadurch zu vereiteln. Die Tat büßten Hunderte albanesischer
Familien mit ihrer Vernichtung bis zum jüngsten Kinde in der Wiege.
In dem Dorfe Leskovac bei Ferisovic wurden acht unbewaffnete Albanesen von
serbischen Soldaten angetroffen und sofort füsiliert.
Die Stadt Prizrend leistet dem Einmarsche der Serben keinen Widerstand und
dennoch floß auch hier das Blut in Strömen, so daß Prizrend heute nach
Pristina die am schwersten heimgesuchte Stadt Albaniens ist. Die heimische
Bevölkerung nennt sie traurig das "Königin des Todes". Hier hausten die
serbischen Banden am ärgsten. Sie drangen in die Häuser, schlugen nieder,
was ihnen in den Weg kam, gleichgültig welchen Alters und Geschlechtes.
Tagelang blieben die Getöteten in den Straßen unbeerdigt liegen, da die
serbischen Sieger anderweitig beschäftigt waren und die überlebende
albanesische Bevölkerung sich nicht aus ihren Häusern wagen durfte. Jede
Nacht erneuerten sich in der Stadt und Umgebung die Überfälle. Bei 400
Albanesen fielen schon in den ersten Tagen nach dem Einmarsche der Serben.
Trotzdem zwang der Kommandant General Jankovic die Notabeln und
Stammesführer von Prizrend mit dem Revolver in der Hand, eine
Dankeskundgebung an König Peter für die "Befreiung durch das serbische Heer"
zu unterschreiben. Als dann die serbischen Truppen den Vormarsch gegen
Westen antraten und keine Pferde für den Transport ihrer Lasten zu
beschaffen vermochten, requirierte man 200 Albanesen, denen man Lasten zu 50
und 60 Kilo auflud, um sie dann noch in der Nacht auf grundlosen schlechten
Wegen sieben Stunden weit in das Gebiet der Ljuma zu treiben. Als die
unglückliche Schar ganz gebrochen und in einem schrecklichen Zustande
infolge der übermenschlichen Ermattung und der erlittenen Mißhandlungen an
ihrem Ziele anlangte, drückte sogar der dortige serbische Kommandant über
diese Art des Vorganges seine Mißbilligung aus.
Eine Frau aus Fandi, namens Dila, kam mit ihrem Sohne, einem anderen
Verwandten und zwei Männern des Dorfes Gjugja nach Prizrend, um Einkäufe für
die Ausstattung ihrer Tochter zu verrichten. Bevor sie Prizrend verließ,
bewarb sie sich um einen Passierschein für sich und ihre Begleitung in der
Kommandantur des General Jankovic, um unbelästigt die serbischen Posten
passieren zu können. Sie erhielt den Paß. Als die fünf Personen in Suni,
ungefähr viel Stunden von Prizrend ankamen, wurden die Leute ihres
Eigentumes beraubt, die vier Männer gebunden und in eine Grube geworfen. Die
Soldaten erschossen dann die Unglücklichen vom Rande der Grube aus. Die
verzweifelte Mutter, die Zeugin dieser Szene war, schrie nach ihrem Sohne
und als sie sah, daß er sich nicht mehr rege und getötet sei, warf sie sich
vor den Soldaten in die Knie und flehte sie an, auch sie zu töten. Man band
sie an einen Baum und als auf den Lärm der Schüsse Offiziere herankamen,
zeigten die Soldaten ein auseinandergebrochenes Brot, das sie der Frau
abgenommen und in welches sie zwei Mauserpatronen gepreßt hatten und zeigten
dies als Beweis, daß die Männer in dem Brote Munition zu schmuggeln
versuchten. Darauf ließen die Offiziere sie weiter gewähren. Die
unglückliche Frau blieb im Angesichte der Grube, in der ihr erschossener
Sohn lag, von Montag nachmittag bis Mittwoch ununterbrochen an den Baum
gebunden; am Mittwoch trieb man die durch Hunger und die Kälte der
Spätherbstnächte fast völlig Erschöpfte nach Prizrend zurück, wo sie
Mittwoch nachts ankam. Dort sperrte man sie abermals ein und führte sie am
nächsten Tage zur Kommandantur. Trotzdem General Jankovic erkennen mußte,
daß eine Unschuldige vor ihm stehe, wurde die bedauernswerte Frau noch nicht
freigegeben, sondern im Hause des serbischen Bischofes noch bis zum nächsten
Tage gefangengesetzt. Dann erst wurde sie den Katholiken übergeben und in
die Kirche gebracht, wo man die Unglückliche labte.
In Prizrend lebte der Bäcker Gioni i Prek Palit, der für die serbischen
Truppen Brot zu liefern hatte. Eines Tages kam zu ihm ein
Proviatunteroffizier und ließ bei ihm, da er bald darauf wiederkommen
wollte, sein Gewehr hängen. Einige Soldaten, die zufällig darauf in der
Bäckerei eintraten, sahen das Gewehr und nahmen den Bäcker gefangen, da er
sich gegen das Waffenverbot vergangen habe. Er wurde sofort vor das
Kriegsgericht geführt und erschossen.
Als der Bruder des Bäckers, Gini, von der Verhaftung hörte, lief er sofort
zu dem Unteroffizier und führte diesen zur Feldgendarmerie, wo jener auch
bezeugte, jenes Mausergewehr sei das seine gewesen, das er nur für kurze
Zeit bei dem Bäcker gelassen; er gab auch richtig die Nummer an, die das
Gewehr trage und als das seine erkennen lasse. Gini und der serbische Zeuge
wurden mit Schlägen fortgejagt. Über seinen verhafteten Bruder vermochte
Gini nichts zu erfahren. Nach zehn Tagen fand die unglückliche Mutter des
Erschossenen, die Tag und Nacht nach ihrem Sohne suchte, den sie noch am
Leben glaubte, die Leiche eine Viertelstunde außerhalb der Stadt. Sie bat
darum, ihr die Leiche zu überlassen, damit sie dieser ein christliches
Begräbnis zuteil werden lassen könne. Es wurde ihr verweigert. Darauf hin
erschien der katholische Pfarrer vor dem Kommandanten und bat im Namen der
Freiheit der Religion um die Erlaubnis, die Leichte auf dem katholischen
Friedhofe zu begraben. Es wurde ihm dies verweigert und nur gestattet, die
Leiche, wo sie lag, zu begraben.
Auch Offiziere beteiligten sich an den Grausamkeiten und es geschah in
Prizrend, daß ein Soldat, der vergeblich um Schuhe oder Opanken bei seinem
Monturoffizier bat, von einem Offizier angewiesen wurde, er solle doch dem
nächsten Albanesen, an dem er gute Opanken sehe, abnehmen, was er brauche -
wozu habe er denn sei Gewehr! Und der Offizier wies auf seine Opanken, die
er auch so erworben habe.
In der Umgebung von Prizrend wurden drei albanesische Dörfer vollständig
zerstört, dreißig Gemeindevertreter aus der Umgebung sind getötet. Man
beschuldigte sie, daß sie "österreichisch gesinnt" seien. In einer dieser
Gemeinden geschah es, daß Soldaten die albanesischen Frauen aus den Häusern
trieben, sie zusammenbanden und in Reihe zu tanzen zwangen. Dann eröffneten
sie ein Gewehrfeuer auf die Gefesselten und vergnügten sich daran, wie eines
der wehrlosen Opfer nach dem anderen blutend zusammenstürzte.
Als dem General Jankovic gemeldet wurde, daß der Stamm der Ljumesen dem
Durchmarsch der serbischen Truppen gegen die Adria Hindernisse zu bereiten
sich anschicke, ordnete er an, mit rücksichtsloser Strenge vorzugehen. Im
Gebiete von Ljuma wurden 27 Dörfer ganz zerstört und die Bevölkerung bis zu
den Kindern herab getötet. Hier ereignete sich die furchtbarsten
Scheußlichkeiten, die der serbische Vernichtungskrieg gegen die Albanesen
kennt. Hier geschah es buchstäblich, daß Frauen und Kinder mit Stroh
umwickelt und vor den Augen ihrer gefesselten Männer und Väter verbrannt
wurden. Frauen, die in gesegneten Umständen waren, wurden in scheußlicher
Weise zerfleischt und das Ungeborene auf Bajonette gesteckt. Mein
Gewährsmann, ein hochachtbarer, durchaus zuverlässiger Mann, fügte seinem
Berichte zu: "Es ist das alles nicht zu denken und doch wahr!" 400 Männer
aus Ljuma, die sich freiwillig ergaben, wurden nach Prizrend gebracht und in
Gruppen von 40 bis 60 täglich erschossen. Es finden hier noch täglich
ähnliche Exekutionen statt. In der Umgegend von Prizrend liegen noch heute
Hunderte von Leichen unbeerdigt. Auch Djakova ist fast ganz zerstört und
seine Bevölkerung dezimiert.
In Tertenik wurden 60 Albanesen getötet, in Smira 32, in Ferban 20, in
Ljubista 19, in Kameno Glava, das bei 50 Familien zählte, sind sämtliche
Männer ausnahmslos getötet. In letzterem Orte zwang man die Männer,
anzutreten, dann militärisch zu salutieren, dann wurden sie gebunden und
ohne Kriegsgericht erschossen. Auch in Presevo gibt es nur wenig
Überlebende.
Im Wilajet Kossovo schätzt man, ohne daß man diese Zahl als übertrieben
bezeichnen dürfte, die Zahl der getöteten Albanesen auf 25.000.
Die "Albanische Korrespondenz" meldet am 20. Maärz 1913: Aus verläßlicher
albanischer Quelle erhalten wir folgenden Bericht aus Üsküb: In der Umgebung
von Üsküb begehen serbische Truppen und Komitatschis himmelschreiende
Greueltaten an der Bevölkerung der von ihnen besetzten Gebiete. In hiesigen
europäischen Kreisen haben insbesondere folgende, verläßlichst festgestellte
Vorfälle Entsetzen erregt: Ende Februar kam serbisches Militär in das Dorf
Schaschare. Nachdem alle Männer und Knaben des Ortes entfernt worden waren,
vergewaltigten die Soldaten die Frauen und Mädchen des Dorfes. Dasselbe
schändliche Verfahren übten serbische Soldaten im Dorfe Letnica. Es sei
besonders hervorgehoben, daß sowohl Schaschare als auch Letnica eine
reinslawische und katholische Bevölkerung haben. Die namenlose Verwilderung
der serbischen Truppen macht also nicht einmal vor christlichen
Stammesgenossen Halt. Schaschare ist eine Ansiedlung von über hundert
Familien.
Noch furchtbarer hausen die verwildeten Truppen in anderen Gegenden. In
neunundzwanzig Dörfern des Kara Dag wurden 280 Gehöfte von muselmanischen
Albanern niedergebrannt und alle männlichen Einwohner, die nicht rechtzeitig
die Flucht ergriffen, fielen unter den Kugeln und den Bajonetten der
Soldaten. Wie die Hunnen toben die Serben von Dorf zu Dorf. Die Dörfer
Trstenik , Senica, Vrban, Ljubista und Giulekar waren der Schauplatz eines
entsetzlichen Blutbades. 238 Männer wurden hier erbarmundslos
hingeschlachtet. In Sefer wurde eine alte Frau gemeinsam mit ihrem
katholischen Diener lebendig verbrannt. Das Elend der Bevölkerung ist
unermeßlich. Im Dorfe Ljubista ist das Elend bis zu dem Grade gestiegen, daß
muselmanische Albanerfrauen sich an überlebende sich an überlebende
Mohammedaner um 400 Piaster als Eigentum und gewissermaßen als Sklavinennen
verkaufen. In diesem Dorf haben die Serben einen Mann, eine alte Frau und
zwei Kinder lebend verbrannt. In Giulekar wurde einer schwangeren Frau mit
dem Bajonett der Bauch aufgeschlitzt und ihr die Leibesfrucht
herausgerissen. In Presta erschoß eine muselmanische Frau, deren Mann man
weggeführt hatte, fünf serbische Soldaten. Die Serben setzten darauf das
ganze Dorf - 90 Gehöfte - in Brand und ließen es in Flammen aufgehen.
Die Serben verheeren ganze Gegenden und schlachten die Bewohner ab. Ihr
Wüten richtet sich in gleicher Weise gegen Muslims und Katholiken. Die
überlebende Bevölkerung befindet sich in namenlosem Elend und Verzweiflung.
In einem Bericht des "Deutschen Volksblatt" vom 19. Februar 1913 heißt es:
"Nur wenige Dörfer und Ortschaften (der von ihnen besetzten Gegenden) sind
als von den Serben gänzlich verschont zu betrachten und nur zu viele
Albanesen gibt es, die den Tod der Frau und der Kinder zu rächen haben. Als
nun in den Städten der Befehl ausgegeben wurde, die Waffen unverzüglich
auszuliefern, waren es nur sehr, sehr wenige, die diesem Befehl Folge
leisteten; die meisten verbargen die Waffen im Hause oder sie flüchteten
damit, denn lieber trennt sich der Albanese von seinem ganzen Gute als von
seinem Gewehr. Um nun dem Befehle Nachdruck zu geben, wurden Patrouillen in
die Häuser gesendet, die eine Hausdurchsuchung vornahmen, und wehe dem, bei
dem Weaffen gefunden wurden. Nur einige Stunden später hatte das
Kriegsgericht über ihn entschieden. Ein eklatanter Fall spielte sich in
Tirano ab. Serbische Soldaten kamen zu einem dortigen Kaufmanne und nahmen
allerlei Sachen. Als es zum Zahlen kam, war kein Geld vorhanden, weshalb ein
Soldat dem Kaufmanne kurzerhand sein Gewehr als Pfand ließ. Später in Angst
über Tat, ging der Soldat zum betreffenden Kommandanten und erstattete die
Anzeige, daß ihm der Kaufmann sein Gewehr abgenommen habe. Bald darauf
erschien eine Patrouille bei dem Albanesen, fand das Gewehr bei ihm, führte
ih vor das Kriegsgericht und trotz seiner Beteuerungen, das Gewehr ja nur
als Pfand genommen zu haben, wurde er erschossen.
Ein Albanese im Dorfe Zala bördlich von Kruja hatte einen Serben, der in
seiner Hütte eingedrungen war und sich an seiner Frau vergriff, erschossen
und floh. Als später die Serben an den Tatort kamen und den Täter nicht mehr
vorfanden, wurden - es ist dies leider traurige Wahrheit - sämtliche
Bewohner, über 100 Personen, einschließlich Weiber und Kinder, hingemordet
und das Dorf angezündet."
Serbische Blutgier.
Der Spezialkorrespondent des "Daily Telegraph" berichtet:
"Alle schrecklichen Verfolgungen der Welrgeschichte sind überholt durch das
entsetzliche Vorgehen der Truppen des Generals Jankovic. Während ihres
Marsches durch Albanien haben die Serben nicht allein die bewaffneten
Albaner verräterisch ermordet und hingerichtet; in ihrer schrecklichen
Wildheit mordetensie wehrlose Leute, Greise, Weiber, Kinder und selbst
Säuglinge an den Brüsten ihrer Mütter.
Die serbischen Offiziere haben in ihrer Siegestrunkenheit die Losung
ausgegeben, daß die wirksamste Art, Albanien zu pazifizieren, die völlige
Ausrottung der Albaner sei. Zwischen Kumanovo und Üsküb haben sie gegen 3000
Menschen hingeschlachtet; in der Nähe von Prischtina fielen allein 5000
Albaner unter den Streichen der Serben. Sie fielen nicht in einer ehrlichen
Schlacht, sondern in einer Serie schrecklicher Morde und die serbischen
Soldaten haben neue Greuelmethoden erfunden, um ihre Blutgier zu stillen. In
mehreren Dörfern wurden die Häuser angezündet und die unglücklichen Bewohner
wie Ratten niedergeschlagen, als sie sich aus den Flammen retten wollten.
Die Männer wurden vor den Augen ihrer Frauen und Kinder getötet, hierauf
wurden die unglückseligen Mütter gezwungen, dem Schauspiel der Massakrierung
ihrer Kinder beizuwohnen, die man buchstäblich in Stücke hieb.
Hinrichtungen waren die tägliche Unterhaltung der serbischen Soldaten. Alle
Einwohner, in deren Häusern Waffen gefunden wurden, wurden hingerichtet
(Bekanntlich trägt jeder Albaner Waffen. Der Herausgeber.). Man erschoß oder
hängte sie auf. An einem Tag gab es bis 36 Exekutionen. Es ist
bemerkenswert, daß die in Ungarn wohnenden serbischen Nationalisten über die
Massakers in Albanien epört sind. Ein früherer Sekretär des serbischen
Premierministers, Pasic, Herr Tomic, erzählt, daß er auf seiner Reise von
Prizrend nach Ipek auf beiden Seiten der Straße nur verbrannte Dörfer
gesehen hat, die dem Erdboden gleichgemacht waren.
Die Wege waren besär mit Galgen, auf welchen Körper von Albanern hingen. Die
Straße von Diakowitza hatte das Aussehen eines "Boulevards der Galgen".
Sogar in Belgrad erscheinende Blätter erzählten ohne Scham von
schauderhaften Greueltaten der Serben. Als das Regiment des Obersten Osbic
in Prizrend einmarschierte, rief dieser seinen Luten zu. "Tötet!" Die
Belgrader Blätter erzählen, als dieser Befehl gegeben war, "warfen sich die
serbischen Soldaten in die Häuser und töteten jedes Wesen, das ihnen in die
Hand fiel".
"Daily Telegraph" berichtet dann nach einer verbürgten Schilderung eines
albanischen Notablen: Wer einen Albaner den Serben denunziert, ist sicher,
daß jener hingerichtet wird. Es gab Menschen, die mohammedanischen Albanern
Geld schuldig waren. Sie gingen hin und denunzierten ihre Gläubiger den
Serben als Verräter. Man hängte unverzüglich die unglücklichen Albaner und
der Angeber fand die Mittel, Haus und Feld seines Opfers um einen
lächerlichen Preis zu kaufen.
In Üsküb wurden unbewaffnete Albaner von den serbischen Offizieren einfach
getötet. Wenn man nur ein Jagdmesser in einem Hause fand, wurde sein
Eigentümer getötet.
In Ferisowitsch hatte der serbische Kommandant die Flüchtlinge eingeladen,
zurückzukehren und die Waffen abzuliefern. Aber als das mehr als vierhundert
taten, wurden sie ermordet. In ganz Ferisowitsch wurden kaum ein Dutzend
mohammedanische Familien am Leben gelassen. Der Kriegsberichterstatter des
"Messaggero" bestätigt diese Schilderung.
In Pana töteten die Serben ihre Gefangenen, in Varos und in Prischtina wurde
die Bevölkerung buchstäblich dezimiert. Die serbischen Offiziere sagten
selbst, daß sie auf der "Jagd" nach Albanern sind, und ein serbischer
Offizier rühmte sich, an einem Tag allein mit eigener Hand neun Albaner
getötet zu haben.
Ein Arzt vom "Roten Kreuz" erzählte nach derselben Quelle: Überall in
Albanien haben die Serben ohne Gnade gemordet. Weder Frauen noch Kinder und
Greise wurden geschont. Ich habe in Alt-Serbien jeden Tag brennede Dörfer
gesehen. Bei Kratons ließ General Stefanovic Hunderte Gefangenen in zwei
Glieder formieren und sie mit Maschinengewehren niederknallen. Der General
Zivkovic ließ bei Sienitza 850 albanische Notable umbringen, weil sie
Widerstand gezeigt hatten.
Die "Albanische Korrespondenz" meldet am 12. März aus Triest: Auf dem
Albanerkongresse wurde auch ein Brief aus Kroja bei Durazzo verlesen, der
vom 27. Februar d. J. datiert ist und in dem es u. a. heißt: Die ganzen
Gebäude und die Villa Mashar-Beys und Fuad-Beys (Anmerkung: Beide nehmen am
Kongresse teil) sind niedergebrannt. Ali Lam Osmanis Bruder in Vignola bei
Kruja wurde von den Serben lebend bis an die Hüften in die Erde vergraben
und dann niedergeschossen. Der Brief schließt mit den Worten: Wir werden uns
nicht mehr sehen. Auf Wiedersehen in der anderen Welt!
Die Serben plündern!
Ahmed Djevad, der Sekretär des Comitée de Publication D. A. C. B., berichtet
nach der Aussage verschiedener Augenzeugen:
"In Strumitza wurde von den Serben unerhört gestohlen und geraubt. Der Major
Iwan Gribic, Kommandant des vierten Bataillons des 14. serbischen
Linienregiments, expedierte allein 80 mit Möbeln und Teppichen beladene
Karren nach Serbien. Alle jungen Mädchen und Frauen von Strumitza wurden
geschändet und gewaltsam getauft. Der Rest der unglückseligen muselmanischen
Bevölkerung stirbt vor Hunger, vor Elend, vor Krankheit ..."
Der "Albanischen Korrespondenz" wurde am 21. März 1913 aus Triest berichtet:
Die Not in Albanien hat einen furchtbaren Höhegrad erreicht. Die serbischen
Truppen, die zuerst Durazzo besetzt haben, wurden, ohne von ihrer Intendanz
mit Proviant- und Futtervorräten versehen zu sein, ins Land geworfen. Sie
waren daher vollkommen auf die Requisitionen angewiesen, die sie mit
außerordentlicher Härte durchführten. Von allen vorhandenen Vorräten nahmen
sie neun Zehntel an sich; dabei verweigerten sie die Ausfolgung von
Bestätigungen über die requirierten Vorräte.
Aber nicht nur für ihren Bedarf requirierten die serbischen Truppen. Was
ihnen an Lebensmittel in die Hand fiel, wurde weggenommen oder vernichtet.
Alte Olivenbäume, die noch zur Zeit der venetianischen Herrschaft gepflanzt
worden waren und ihre Besitzer ernährten, wurden von den Serben gefällt,
trächtiges Vieh umgebracht. Kein Schaf, kein Huhn, kein Oka Mais, dessen die
Serben habhaft werden konnten, blieb unberührt. Es ist von ihnen auch Raub
und Plünderung in ausgedehntem Maße betrieben worden. Die Serben haben in
Durazzo große Mengen von Teppichen und anderen geraubten Gütern nach
Saloniki eingeschifft, von wo sie nach Belgrad befördert wurden. Sogar
altertümliche Bänke aus dem Regierungsgebäude in Durazzo haben sie sich
angeeignet und in ihre Beuteschiffe verladen.
Fazil Toptani Pascha, dem wir diesen Bericht zur Prüfung vorgelegt haben,
erklärt: Es ist alles wahr, was dieser Bericht enthält. Aber diese Tatsachen
sind nur ein geringer Bruchteil von all dem Entsetzlichen, was diese
Barbaren in unserem Vaterlande an Scheußlichkeiten verbrochen haben. Sie
sind mit Mord, Raub und Brand in Albanien eingebrochen und haben
Verwüstungen angerichtet, von deren Entsetzlichkeit kein Mensch sich eine
Vorstellung machen kann.
Derwisch Hima erklärte uns: Sagen Sie der Öffentlichkeit, daß ein großer
Teil des albanischen Volkes vom Hungertod bedroht ist. Die Zeit des
Frühjahrsanbaues ist da; aber das Saatkorn hat der Serbe geraubt. Selbst
wenn die Albaner Saatkorn hätten, würden sie nichts anbauen. Denn das Volk
sagt: Wenn etwas wachsen würde, würde es der Serbe vernichten. In solcher
Angst vor den Serben leben die Leute!
Massenmord.
Im Bukarester "Adeverul" vom 6. Januar 1913 berichtet ein rumänischer Arzt,
Dr. Leonte, daß das, was er an Grausamkeiten von seiten der serbischen Armee
erlebte, die grauenvollsten Erwartungen bei weitem übertroffen hätte. Daß
Hunderte gefangengenommene Moslims hundert Kilometer weit gehetzt wurden,
wäre für diese Unglücklichen noch das geringste Unheil gewesen. Wenn aber
einer dieser Erbarmungswürdigen infolge Erschöpfung und aus Hunger
zusammenbrach, wurde er einfach von dem nächstbesten Soldaten mit dem
Bajonette niedergestochen und die Leiche liegen gelassen. Noch seien die
Felder mit Leichen von hingemordeten alten und jungen Männern und Frauen
sowie Kindern bedeckt. Als die serbischen Truppen in Monastir einzogen,
wurden alle in den Spitälern liegenden türkischen Verwundeten getötet, um
Platz für die serbischen Verwundeten zu schaffen. Die Soldaten haben
gestohlen, was ihnen in die Hände fiel. Auch fremde Banken wurden beraubt.
Ein bulgarischer Professor, der sich infolge eines auf den König Ferdinand
ausgebrachten Toastes bei den serbischen Offizieren mißliebig machte, ist
seit dem Festabend, an dem er den Toast ausbrachte, spurlos verschwunden.
Dr. Leonte gibt auch sonst Darstellungen über Grausamkeiten, die jenen von
Kumanovo, Prizrend usw. gleichwertig sind.
Der bekannte Kriegsberichterstatter Hermenegild Wagner berichtet aus Semlin
vom 20. November 1912:
Während meines dreitägigen Aufenthaltes in Nisch konnte ich erschütternde
Einzelheiten über die von serbischen Truppen begangenen Unmenschlichkeiten
feststellen. Ich konstatiere, daß ich für alle Einzelheiten hochachtbare
Zeugen habe.
In die Nischer Festung war eine fünfzigjährige Albanesin gebracht worden,
die unter dem Verdachte stand, in Ferisovic Bomben gegen die
einmarschierenden Serben geschleudert zu haben. Anstatt daß man die
Beschuldigte vor ein Militärgericht gestellt hätte, übergab man das
unglückliche Weib den serbischen Soldaten, die der Frau mit Kolbenschlägen
den Schädel buchstäblich zertrümmerten.
Ein türkischer Mulassim, namens Abdul Kadri Bei, den man gefangen hatte,
wurde in der Nischer Festung zu Tode geprügelt. Der Leichnam wies einen
Bruch des Nasenbeines und eine Zerreißung der Leber auf. Man hatte das Opfer
nämlich mit den Füßen zu Tode getreten.
Ein Albanese, der hier einen Fluchtversuch machte, wurde durch
Bajonettstiche getötet und als man seinen Leichnam in die Totenkammer
brachte, dort noch von Soldaten entsetzlich zugerichtet.
Im Spital von Nisch betrat eine Anzahl von Serben einen Raum, in dem
verwundete Türken lagen. Ein Serbe rief scherzweise, auf einen
schwerverwundeten Türken weisend: "Der ist es, der mich verwundet hat!"
Darauf fiel die Schar Serben über den wehrlosen Verwundeten her und
mißhandelte ihn mit Tritten, daß er noch unter ihren Füßen das Leben
aushauchte.
Ein Arzt des "Roten Kreuzes" erzählte mir schaudernd, die Gefangenen und
Verwundeten, die man in Nisch und Belgrad sehe, seien nur Paradegefangene.
"Die Serben", sagte er, "geben keinen Pardon. Alle Albanesen, gleichgiltig
mit oder ohne Waffen, wurden, wo man ihrer habhaft werden konnte,
erbarmungslos hingeschlachtet. Weiber, Kinder, Greise ... es haben sich da
unten (in Altserbien) entsetzliche Dinge ereignet. Ich weiß nicht, wie viele
Dörfer von den serbischen Truppen niedergebrannt wurden. Ich habe sie
täglich weithin brennen sehen ... Bei Kratovo ließ General Stefanovic
Hunderte gefangene Albanesen in zwei Gliedern antreten und sie mit
Maschinengewehren niederknallen. Dazu erklärte der General:
"Die Brut muß ausgerottet werden, damit Österreich seine albanesischen
Lieblinge nicht mehr findet."
General Zivkovic ließ bei Sjenica 950 albanesische und türkische Notabeln
niedermetzeln, nachdem zehntausend Albanesen dem Vorrücken der serbischen
Truppen großen Schwierigkeiten bereitet hatten.
Von der Schlacht von Kumanovo wurden nur sehr wenig Verwundete von den
Serben aufgelesen. Die Erklärung gab König Peter selbst, als er das Lazarett
in Nisch besuchte. Als ein verwundeter Serbe ihm klagte, daß die Albanesen
mit erbeuteten serbischen Gewehren auf Serben schossen und auch ihn
verwundeten, sagte König Peter wörtlich:
"Das werden die Schweine schwer büßen!"
Serbische Augenzeugen, welche die Schlacht mitmachten, erzählten mir
lachenden Mundes, wie nach dem Kampfe Tote und Verwundete, Türken und
Albanesen ohne Unterschied, in große Gräber geworfen wurden. Als es dann
heftig regnete, sei der Anblick des Schlachtfeldes allerdings nicht
freundlich gewesen. Die seichten Massengräber der Türken waren eingesunken,
Hände, Füße und Köpfe schrecklich verzerrter Leichname ragten aus der Erde
heraus ...
Verwüstete Dörfer.
In Üsküb erzählte ein zurückgekehrter serbischer Offizier mit der ersten
Miene von Gerechtigkeit über die Niederbrennung von 80 Dörfern im
Lumagebiete.
Das "Deutsche Volksblatt" veröffentlichte am 14. Februar einen Bericht aus
Südungarn, in dem es heißt:
"Die serbische Regierung sollte sich auch endlich darüber klar sein, daß
solche Dementis dazu beitragen, die Wahrheitsliebe Serbiens nur noch weniger
glaubhaft erschienen zu lassen. Proben von dem Ernste solcher Kundgebungen
hat man zur Zeit des Königsmordes durchkosten können. Hat doch damals die
Regierung in hochoffizieller Form überhaupt geleugnet, daß König Alexander
und Königin Draga von den meineidigen Offizieren ermordet worden sind,
sondern daß sie sich gestritten und gegenseitig umgebracht hätten ...
Bezüglich der albanesischen Greuel ist es eine traurige Wahrheit, daß die
Schilderungen, die bisher in die Öffentlichkeit drangen, vollkommen den
Tatsachen entsprechen und nur den einen Fehler haben, nicht erschöpfend
genug zu sein. Zahlreiche Serben selbst bestätigen dies, oft mit großem
Stolze. Ich will nur die Aussagen eines Teilnehmers an dem ersten Abschnitte
des Krieges wiedergeben, der gegenwärtig in Südungarn sein Gewerbe ausübt,
weil er es vorzieht. obwohl Serbe aus dem Königreiche, in der
österreichischen "Unterdrückung" zu leben und der "kulturellen und
religiösen Milde" seines Vaterlandes so weit als möglich aus dem Wege zu
gehen. Mit sichtlichem Wohlgefallen erzählt dieser klassische Zeuge, daß
serbische Soldaten ganze Rudel albanesischer Bauern erbarmungslos
niedergeknallt haben, deren einziges "Verbrechen" es gewesen sei, daß man in
ihren Häusern Waffen fand. Als ich mich darüber einigermaßen erstaunt
zeigte, meinte mein Gewährsmann seelenruhig: "Was sollten wir unsere Zeit
damit totschlagen und diese Leute in irgend eine entfernte Garnison
eskortieren? So war es viel einfacher und wir waren wieder frei und konnten
beruhigt trinken gehen!" Diese praktische Ansicht scheint eben Gemeingut der
serbischen Militärs zu sein, denn ein Verwundeter erzählte in einem
Belgrader Spitale einem Besucher unter anderem folgendes: "Die Türken haben
wir in Ruhe gelassen, aber die albanesischen Hunde (!) haben wir
niedergemacht, wo es möglich war." Einen weiteren Beleg bildet der Brief
eines serbischen Offiziers, den auch der "Magyarorszag", dessen
Balkankorrespondent der österreichische Deserteur und gewesene königlich
serbische Preßleiter Iwan Iwanovic ist, veröffentlicht hat. In dem Schreiben
heißt es unter anderem, er, der Offizier, habe mit eigenen Augen gesehen,
wie seine Soldaten nach der Einnahme von Monastir je zehn türkische Männer,
Frauen und Kinder zusammengebunden und bei lebendigem Leibe verbrannt haben.
Solche und ähnliche Tatsachen kann man hier von jedem Serben hören, der vom
Kriegsschauplatze zurückgekommen ist. Diese Leute haben jedenfalls die
offiziellen serbischen Dementis in der auswärtigen Presse nicht gelesen ..."
Ein Albaner aus der Nähe von Scopio berichtet: "Wir sahen serbische Soldaten
auf unser Dorf zukommen. Alles lief in die Häuser zurück. Ich hatte keine
Furcht, wollte die Fremden sehen und ging vors Haus. Schon waren sie da. Ich
gebe einem Soldaten eine kleine Münze. Da bekomme ich einen Schlag auf den
Kopf und stürze zu Boden. Die Soldaten ließen mich liegen und stürmen in
unser Haus. Dort erschlugen sie meine Mutter und meinen Vater. Dann zündeten
sie die Häuser an und erschlugen alle Leute. Als ich mich endlich erheben
konnte, stand alles in Flammen."
In Sefer, im Gebiete Gilan, legten die Serben Feuer an eine Hütte und warfen
die zwei alten Inwohner - sie hatten nicht mehr flüchten können - lebend in
die Glut. Einem Manne banden sie die Hände, hießen ihn gehen und schoßen ihn
nieder.
Unter unterschiedlichen Angaben von Gründen wurden in diesem Monate folgende
Ortschaften niedergebrannt: Limbischte, Kolisch, Terpeza und Gilektar. In
den drei letztgenannten Orten wurde alles niedergemacht, auch Weiber und
Kinder.
In Djakovaer Distrikte, im Dorfe Boba, wurden vier serbische Soldaten, die
Frauen vergewaltigen wollten, durchgeprügelt. Das genügte. Eine
Strafexpedition wurde entsandt. Boba ging in Flammen auf. Alles wurde
niedergemacht. Nach getaner Arbeit stieß die Soldateska auf 70 katholischen
Albanesen aus Nikoi, die im Dorfe Einkäufe besorgen wollten. Die Soldaten
richteten auch unter diesen Leuten ein Blutbad an.
In Ipek raubten serbische Soldaten drei Frauen, die Montenegriner wieder
raubten drei Mädchen.
Im Gebiete der Luma wurden 32 Niederlassungen niedergebrannt. Wessen immer
man habhaft werden konnte, wurde getötet.
In Dibra gaben sich gleichfalls serbische Soldaten ärgsten Ausschreitungen
hin. Sie raubten, was nur zum Mitnehmen war. Dann kamen neue Truppen, die 24
Dörfer in Brand steckten und alle Bewohner erschlugen. ...
In Prizrend aber wurde dem katholischen Priester verboten, Sterbenden die
letzte Wegzehrung zu geben. Wer mit dem Pfarrer in Berührung tritt, kommt
vor das Militärgericht.
Aus Durazzo, 8. März, wurde berichtet: Die serbischen Truppen haben folgende
Dörfer niedergebrannt:
Ses, Larusk, Mnikle, Scej und Gromni. In Ses wurden in die Häuser zwanzig
Frauen und Mädchen und mehrere Kinder eingeschlossen und mitverbrannt.
Die Dorfbewohner der Umgebung von Croja-Kurbino sind in die Berge geflüchtet
und haben Hab und Gut zurückgelassen, um das Leben retten zu können.
Die "Albanische Korrespondenz" meldet am 12. März aus Triest:
Briefe aus Tirana melden, daß die serbischen Truppen in der Umgebung von
Tirana neuerdings Greueltaten verübten. Die Einwohner von Kaza Tirana hatten
eine Abteilung albanischer Freiwilliger beherbergt und sie mit Proviant
versehen. Als diese Tatsache zur Kenntnis des serbischen Militärkommandanten
gelangte, ließ dieser das Dorf von Truppenabteilungen zernieren. Hierauf
wurden sämtliche Häuser der Ortschaft sowie des Gutes von Fuad Toptani Bei
eingeäschert. 17 Männer kamen in den Flammen um, zehn Männer und zwei Frauen
wurden hingerichtet.
Die Serben ermorden auch Christen.
Die "Reichspost" veröffentlichte am 20. März eine Brief aus Albanien, in dem
berichtet wird:
"Dem Pfarrer des Heiligtumes von Cernagora oder Setnica, Don Tommaso, haben
die serbischen Soldaten alles Geld geraubt, das der Kirche gehörte, indem
sie ihn mit gezücktem Bajonette zwangen, die Kasse zu öffnen, und daraus die
Gelder entnahmen, die den Schatz des Wallfahrtsortes bilden.
Dem Pfarrer von Djakova drohte man mit dem Tode und rief ihm zu: "Entweder
entsage dem österreichischen Protektorate oder wir brennen dir das Gehirn
durch!" Doch machte der Pfarrer durch sein mutiges Auftreten ihre Drohungen
zunichte.
Dem Pfarrer von Ferizovic versagen die Serben seit drei Monaten jede
Freiheit in der Ausübung seines Amtes und lassen jeden einkerkern, der mit
ihm redet oder zur Messe und Beicht zu ihm geht. Das gleiche versuchten sie
mit den zwei Priestern von Prizrend.
Gegen die Katholiken von Janjewo (400 Familien, fast alle slawischer
Nationalität) setzt man alle Hebel in Bewegung, um sie zum Übertritt zur
schismatischen Kirche zu bringen.
Seit mehreren Jahrhunderten leben hier in dieser Erzdiözese etwa 8000
Katholiken, sogenannte Laraman, das heißt Verborgene, welche wegen der
Verfolgung durch die Türken bisher ihren Glauben nicht offen bekennen
konnten. Als nun die Serben kamen, wollten mehrere Hundert dieser Laraman
sich offen als Katholiken erklären. Als dies die Vertreter der neuen
Regierung erfuhren, kam der Bescheid: "Entweder Mohammedaner oder Orthodoxe,
Katholiken nicht!"
In der Nähe des Heiligtums von Letnica liegt das Dorf Shashara (90 Familien,
alle katholisch). Hier zogen serbische Soldaten ein, versammelten auf den
Wiesen die Männer und banden sie mit Stricken; hierauf begannen sie die
Häuser auszuplündern und Frauen und Mädchen in bestialischer Weise zu
vergewaltigen.
Zahlreich sind die Ermordungen von albanesischen Katholiken. In Noshez z. B.
wurden an einem Tage an dreißig Männer getötet, die friedlich im Dorfe
weilten und kein anderes Verbrechen begingen, als daß sie sich katholische
Albanesen nannten. Bei Zhuri wurden ganze Familien von katholischen
Malissoren, die zum Einkaufe vom Salz, Öl, Zucker usw. nach Prizrend
gekommen waren, ohne jede Schuld meuchlings auf dem Wege getötet; ebenso bei
Djakova 70 andere katholische Personen aus der Piarre von Nikai. So verfolgt
man die Katholiken, den einheimischen Orthodoxen geschieht nichts.
In der Umgebung von Dibra und Monastir, wie auch in Kossowo, sind zahlreiche
Dörfer neuerdings vernichtet worden. Die Räubereien lassen sich nicht
beschreiben. Es genüge zu erwähnen, daß man die Schafe zu Zeiten das Stück
zu zwei Franken verkaufte, weil man nicht wußte, wo man mit den von Serben
und Montenegrinern den Albanesen geraubten Schafen hin sollte.
Man will uns nun auch verwehren, daß wir albanesisch reden. Bereits wurden
einige Schulen geschlossen, wo albanesisch unterrichtet wurde. Der Brief
schließt mit den Worten: "Möge sich Gott unser erbarmen und Europa uns zu
Hilfe kommen, oder wir gehen zugrunde!"
In ihrer Nummer vom 21. März berichtet die "Neue Freie Presse":
"Wie uns aus informierten Kreisen mitgeteilt wird, findet, neueren
Nachrichten zufolge, die Verfolgung von Katholiken und Mohammedanern ebenso
wie im Bezirke von Djakova auch in Bezirke Dibra statt. Täglich geschehen
zahlreiche Morde. Die Bevölkerung flüchtet massenhaft unter Zurücklassung
von Hab und Gut. Die Verfolgung richtet sich nicht nur gegen Albanesen,
sondern auch gegen katholische und mohammedanische Slawen."
Ein abgeschlachteter Priester.
Die "Neue Freie Presse" meldet unterm 20. März:
Am 7. März vereinigte sich in und um Djakova herum die Soldateska mit
fanatischen orthodoxen Geistlichen, um die Bevölkerung gewaltsam zum
Übertritte vom katholischen Glauben zum orthodoxen zu zwingen.
Etwa 300 Personen, Männer, Frauen und Kinder, unter ihnen Pater Angelus
Palio, wurden mit Stricken gefesselt und unter Todesdrohungen zum Übertritte
aufgefordert.
Ein orthodoxer Priester zeigte auf die Soldaten, die mit ihren Gewehren
bereitstanden, und sagte:
"Entweder ihr unterschreibt, daß ihr hiermit zu unserem einzig wahren
Glauben übergetreten seid oder diese militärischen Gottesstreiter werden
eure Seelen in die Hölle befördern."
Daraufhin unterzeichneten die Gefangenen den Bogen, auf dem die
Übertrittserklärung zur orthodoxen Religion vorgeschrieben war.
Als letzter kam Pater Angelus an die Reihe. Und er war der einzige, der die
Stärke besaß, sich ruhig und würdevoll zu weigern, seinen Glauben zu
verlassen.
Als Pater Angelus auf dreimalige Aufforderung und trotz des Flehens der
zwangsweise übergetretenen Katholiken bei seiner Weigerung beharrte, spielte
sich eine entsetzliche Szene ab, die man im zwanzigsten Jahrhundert in
Europa nie und nimmer für möglich gehalten hätte.
Auf einen Wink der orthodoxen Priester fielen die Soldaten über den
Franziskaner her, rissen ihm das geistliche Gewand vom Körper und begannen
mit den Gewehrkolben auf ihn einzuschlagen.
Pater Angelus stürzte mit mehreren Knochen- und Rippenbrüchen zu Boden, die
orthodoxen Geistlichen geboten den Soldaten Einhalt und fragten den
Schwerverletzten, ob er nun übertreten wolle.
Und abermals schüttelte er das Haupt und sagte ruhig: "Nein, ich verlasse
meinen Glauben nicht, und breche nicht mein Gelübde."
Pater Angelus erhielt nun wieder zahllose Kolbenschläge, bis schließlich ein
Soldat ihm mit einem Bajonettstich die Lunge durchbohrte und so dem Leben
des Unglücklichen ein Ende bereitete.
Ein serbischer Blutsbefehl.
An die Ortsvorstände des Kreises Kroja in Westalbanien ist ein Erlaß
herausgegeben worden, in dem es u. a. heißt:
"Wenn in Hinkunft irgend ein Anfall sich ereignet oder die Tötung selbst nur
eines serbischen Soldaten in der Stadt, in einer Ortschaft oder in deren
Nähe (!) sich ereignet, wird der Ort niedergebrannt und zerstört und
sämtliche Männer von 15 Jahren aufwärts verfallen dem Bajonette."
Dieser Befehl ist unterschrieben: Kroja, am 5. Jänner 1913. Der Kommandant:
A. Petrovic, Hauptmann I. Klasse.
Kroja ist als Geburtsort des Nationalhelden Skanderbeg, dessen Burg noch
heute in dieser Stadt steht, für die Albaner ein geheiligter Ort!
Serbische Stimmen.
Das "Deutsche Volksblatt" vom 8. Februar schreibt:
"Der serbische Minister für Kultus und Unterricht Ljuba Jovanovic
veröffentlicht in einem slawischen Blatte eine Erklärung, in welcher er
unter anderem betont: Die Mohammedaner werden bezüglich ihrer
staatsbürgerlichen Rechte selbstverständlich allen anderen gleichgestellt
sein. Was ihre religiösen Angelegenheiten betrifft, so wird das
Vakuf-(Kirchen-)Vermögen in ihrer Verwaltung bleiben und ihre Klöster so
geachtet werden, wie die christlichen. Die Muselmanen haben sich,
ausgenommen die regulären Truppen, der serbischen Okkupation nicht
widersetzt und ist ihnen infolgedessen seitens der serbischen Truppen kein
Leid zugefügt worden. Die Albanesen aber haben sich der serbischen
Okkupation widersetzt und oft sogar auf Soldaten geschossen, nachdem sie
sich bereits ergeben hatten, und dies nicht nur im Freien, sondern auch aus
den Häusern der besetzten Orte. Daher ist es zu dem gekommen, was überall
und stets geschieht, wo Nichtkombattanten mit einer siegreichen Armee in
Konflikt geraten. (Das heißt, zur Niedermetzlung der Albanesen.)
Das Belgrader Blatt "Piemont", das als Sprachrohr radikaler Militärkreise
gilt, befaßt sich in seiner Nummer vom 20. März mit der Frage von Skutari
und erklärt, Skutari müsse an Montenegro fallen. "Sollte dies aber nicht
möglich sein," sagt das Blatt, "dann muß Skutari dem Erdboden gleich gemacht
werden."
Serbische Offiziere rühmen sich ihrer Schandtaten.
Der "Albanischen Korrespondenz" wird aus Durazzo berichtet: Ungeheuer sind
die Greueltaten, welche die Serben in Albanien verübt haben. Serbische
Offiziere rühmen sich ihrer ganz offen. Insbesondere in Kossowo haben die
serbischen Truppen entsetzlich gehaust. Ein serbischer Offizier erzählte
hier: Die Weiber hatten ihren Schmuck meist versteckt und wollten nichts
davon hergeben. Wir haben in solchen Fällen eine Person aus dem Hause
erschossen und sofort war der ganze Schmuck da. Besonders furchtbar haben
die Serben im Ljumagebiete gehaust. Männer wurden lebendig verbrannt,
Greise, Frauen und Kinder ermordet. In Kroja, dem Geburtsorte Skanderbegs,
wurde eine Anzahl von Männern und Frauen einfach füsiliert, eine Menge
Häuser niedergebrannt. Der serbische Kommandant, Hauptmann Petrovic,
publizierte einen Ukas, in dem er diese Schandtaten ganz offiziell
ankündigte. In Tirana wurden mehrere Albaner zu Prügelstrafen verurteilt.
Serbische Soldaten hieben so lange auf die Unglücklichen los, bis diese tot
waren. In Kawaja und Elbassan wurden ebenfalls Leute von den Soldaten
offiziell totgeprügelt. Ein bekannter, anständiger, wohlhabender Mann, der
Sohn eines türkischen Obersten, wurde in Durazzo erschossen. Nachher
publizierte der serbische Kommandant durch Maueranschlag ein Urteil, das den
Erschossenen des Diebstahls bezichtigt und ihn zum Tode verurteilt. Die
Serben zerstören katholische Kirchen; sie sagen, das seien österreichische
Bauten, die man vom Erdboden wegfegen müsse. Serbische Soldaten und
Offiziere belästigen bei Tag und bei Nacht die Bevölkerung.
Unlängst wurde ein serbischer Soldat ermordet aufgefunden. Sofort ließ der
serbische Kommandant fünf an dem Morde unschuldige Albaner gefangen nehmen
und erschießen.
Ein Blutbad vor Skutari.
Der "Albanischen Korrespondenz" wird aus Podgoritza berichtet: Nach der
Schlacht von Brdica, die für die Serben mit einer so verlustreichen
Niederlage geendet hat, warfen sich die serbischen Truppen auf ihrem
Rückzuge in das Dorf Barbalushi. Die erschreckten Bewohner gingen den Serben
mit Kruzifixen in den Händen entgegen und flehten um Gnade. Aber das half
nichts. Die verwildeten Truppen warfen sich auf die wehrlosen Dorfbewohner
und stachen viele Männer, Frauen, Greise und Kinder nieder. Bei einem
achtjährigen Kinde, das die Unmenschen zerfleischt hatten, wurden nicht
weniger als sechs Bajonettstiche konstatiert.
Die serbischen Dementis.
Die serbische Regierung hat in der letzten Zeit auf die meisten Berichte
über serbische Greueltaten mit Dementis geantwortet. Diese offiziellen
Ableugnungen erfolgten zwar in jedem Fall sehr prompt: aber sie trugen
allzuoffen den Stempel der Unstichhältigkeit. Denn mit der bloßen
Behauptung, daß die vorgebrachten Beschuldigungen unwahr seien, können
detaillierte Anklagen so schwerer Art nicht aus der Welt geschafft werden.
Die vorliegende, noch lange nicht erschöpfende Auslese von Berichten aus
verschiedenerlei, nicht nur österreichischen, sondern auch italienischen,
deutschen, dänischen, französischen und russischen Quellen werden vor dem
Gerichte der Weltgeschichte wohl schwerer ins Gewicht fallen, als alle
Dementis des königlich serbischen Preßbureaus.
In einem Dementi vom 8. Februar erklärt das serbische Preßbureau, daß
"solche Greueltaten, wie sie angeblich von der serbischen Armee ausgeführt
worden sein sollen, heutzutage in einem Volke, das von Grund aus religiös
und tolerant ist, einfach unmöglich sind." -- Darauf muß erwidert werden:
Einer Armee, deren Offiziere ihren König und ihre Königin nächtlich
überfallen, ermordet, ihre Leichname mit achtundfünfzig Säbelhieben
zerfetzt*) und zum Fenster hinausgeworfen haben, können sehr wohl derartige
Greueltaten zugemutet werden, umsomehr, als das Haupt der Urheber jenes
Blutbades im Konak zu Belgrad, Oberst Popovic, einer der Führer des
serbischen Einfalles in Albanien war und gegenwärtig Kommandant der
serbischen Besatzung von Durazzo ist.
*) Vladan Georgewitsch, Der letzte Obranowitsch, Wien, 1903.
http://www.kosova.de/politik/berichte-opvz/golgat/golgat.htm
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